Ute Simon-Adorf

Mentaltraining - Ein Thema für alle Sportler

Mentaltraining ist bei Sportler in aller Munde. Spitzensportler vertrauen auf ihre Mentaltrainer, aber auch Breitensportler können von Mentaltechniken profitieren. Egal ob Sie mentale Kraft für den Schlussspurt brauchen oder auch nur im Kampf mit dem inneren Schweinehund, Mentaltraining macht uns stärker, ist Ute Simon-Adorf überzeugt.

 

Andreas Butz: Warum nutzen Spitzensportler Mental-Trainer? Geht es darum, den Druck aus eigener oder fremder Erwartungshaltung zu verarbeiten oder darum, die letzten Leistungsreserven herauszukitzeln?

Ute Simon-Adorf: Da gibt es ein sehr breites Spektrum von individuellen Gründen. Bei dem einen ist es in der Tat das Thema, noch mehr aus sich herauszuholen. Bei dem anderen geht es darum, schwierige Erlebnisse zu verarbeiten, um wieder mit freiem Kopf den Sport anzupacken. Dann sind es Themen wie individuelle Blockaden in der eigenen Sportart, seien es beispielsweise der Wassergraben beim Hindernislauf, der bestimmte Konkurrent an der Startlinie, die Angst vorm „Hochgehen“, die Angst vor der eigenen Courage, das Sich-nicht-Herantrauen an die vorhanden Ressourcen, Stress mit dem Wetter oder der Zeitvorgabe und und und...

 

Ist Mentaltraining also nicht nur für den Profisport, sondern auch für Hobbysportler interessant?

Absolut. Denn bei inneren Dialogen oder inneren Bildern - den berühmten Horrorszenarien -, die mir Kraft nehmen, anstatt sie mir zu geben, da ist es gleich, ob ich ein Profisportler oder ein Hobbysportler bin. Bei beiden geht es darum, das eigene Ziel zu erkennen, das Bestmögliche aus sich herauszuholen, sich Kraft zu geben anstatt zu nehmen und seine Ressourcen optimal zur Verfügung zu haben.

Setzt Mentaltraining immer die Arbeit mit einem Mental-Coach voraus oder kann man auch alleine an der mentalen Stärke arbeiten?

Um die eigenen Stolpersteine zu erkennen, macht es sicherlich Sinn, erst einmal mit einem Mental-Coach zu arbeiten. Mit dem Blick von außen werden die notwendigen Stellschrauben meist schneller gefunden, das ist meist sinnvoller, als lange alleine an oder mit sich „herumzudoktern“. Wenn man dann einmal erlebt hat, dass und wie Mentalcoaching funktioniert, dann kann man sehr gut auch der eigene Experte für den Alltag werden. Hin und wieder ein auffrischender Kontakt zum Profi lohnt dennoch – das nordet wieder neu ein und man kann sich wieder gut alleine auf den Weg machen.

Kann man durch Mentaltraining Trainingskilometer ersetzen oder ist dies weniger ein Alternativtraining als vielmehr ein Ergänzungstraining?

Aus meiner Sicht auf jeden Fall ein Ergänzungstraining. Ein weiteres Puzzleteil zum professionelleren Sportler. Die Trainingskilometer, die man sinnvoll absolviert, auf sein Ziel hingerichtet, die also keine leeren Kilometer sind, die sollen auf jeden Fall gemacht werden. Das Mentaltraining dann zu integrieren, heißt, sich gewonnene Erkenntnisse oder Hausaufgaben mit auf den Weg zu nehmen – das ist sicherlich eine optimale Ergänzung.

Wie kann ich mir die Arbeit eines Mentaltrainers vorstellen? Und seinen Arbeitsplatz –Couch, Telefon oder Sportplatz?

Mentalcoaching kann überall stattfinden und sollte situativ eingesetzt werden. In der Regel sind es Einzelgespräche bei mir im Institut für Mental-Coaching. Während des Coachings kommen je nach Thema verschiedene Interventionen zum Einsatz. Sei es eine Aufstellung mit Figuren, um Situationen oder Reaktionen genauer zu verstehen. Manchmal greifen wir auch zu Stift und Papier, um das Thema zu visualisieren. Oder Karten werden als Bodenanker genutzt: Sie werden beschriftet und auf den Boden gelegt, beispielsweise als Weg zum Ziel. Hindernisse oder Stolpersteine werden mit Utensilien symbolisiert. Außerdem bin ich auch oft bei Wettkämpfen mit dabei; sei es, um ad hoc als Ansprechpartnerin zur Verfügung zu stehen oder aber, um mir ein Bild vom Athleten an Ort und Stelle zu machen. Auch per Telefon, What’s App, SMS oder Skype habe ich schon oft gecoacht, gerade dann, wenn der Athlet im Ausland ist.

Ist Mentaltraining also immer 1-zu-1-Arbeit oder kann man auch Gruppen mental ausrichten?

Bei mir ist Mentaltraining meist 1-zu-1-Arbeit. Doch um zu sensibilisieren, um mögliche Ansätze erst einmal zu erfahren oder auch für die Ausrichtung auf ein gemeinsames Ziel ist Mentalcoaching auch gut mit einer Gruppe möglich. Was auch sehr gut funktioniert, ist, die allgemeinen Themen in der Gruppe und die individuellen Stolpersteine dann im Einzelgespräch zu bearbeiten.

Was kann ein Lauf- und Personal Trainer in zwei Tagen Ausbildung lernen? Wie kann er sein Wissen anwenden?

In zwei Tagen Ausbildung erhält er mit der mind.excellence®- Erfolgsstrategie sehr viele Impulse wie er erkennen kann, warum der eine oder andere Teilnehmer seiner Laufkurse oder auch er selbst einfach nicht weiter kommt. Ein Beispiel: Das Potenzial ist da, dennoch geht es nicht weiter nach vorne. Er wird sensibilisiert zu erkennen, wo der eine oder andere Stolperstein liegt. Und dann erfährt er, wie man genau diesen entweder aus dem Weg räumen kann oder aber lernt, mit ihm umzugehen. Der Lauftrainer bekommt Sicherheit im Umgang mit den Themen, die ein Kunde mitbringt  und die nicht direkt mit dem Laufen zu tun haben, aber dennoch in den Lauferfolg hineinspielen. Er wird vom Kunden als kompetenter Trainer angesehen und fühlt sich auch selbst wesentlich sicherer und zufriedener in der Zusammenarbeit.

Der Personal Trainer kann in seinen Coachings mit seinen Schützlingen die hemmenden Knackpunkte erkennen und auflösen und so sowohl den Kunden wie auch sich selbst in einen guten Zustand bringen. Vor, während oder nach einem Wettkampf wird dann schneller klar, warum etwas nicht oder endlich besser funktioniert hat – Fortschritte werden erkannt und verstärkt und Hindernisse schneller beseitigt. Begleitet von dem guten Gefühl, dass es vorangeht – dass man sich auf das gemeinsame Ziel zubewegt.